Es ist ja nichts Neues, dass die Bonzen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) die Masse der Menschen in Deutschland verachten, weil sie eben doch keine Lust auf den neoliberalen Sozialdarwinismus haben. Immer mehr Menschen in Deutschland sind Dank des Lohn- und Sozialdumpings, das Lobbys wie die INSM unter dem verlogenen Schlagwort “Reformen” forciert haben, von den Sozialsystemen wie aufstockenden Leistungen zum Lebensunterhalt oder ALG2 abhängig.
Just zum Tag der deutschen Einheit schaltete die INSM daher folgende Zeitungsanzeige:

Die INSM “gratuliert” Deutschland augenscheinlich zu 40 Millionen Beschäftigten, tatsächlich pinselt sich die INSM aber eher selbst den Bauch, dass sie es mit ihrer die Solidarität vernichtenden Propaganda und Korruption politischer Mietmäuler wie Oswald Metzger (z.B. “Aufträge für Vorträge”) geschafft hat, Löhne und Sozialstandards zu drücken und zugleich mehr Druck auf Erwerbslose (z.B. Hartz-Gesetze) ausüben zu lassen. Das wiederum dürfte aber für das Gros der Deutschen kein Grund zum Feiern oder zur Gratulation sein. Die INSM spuckt dem deutschen Volk, das immer mehr von der Wohlstands- und Gewinnentwicklung abgekoppelt wurde, mit dieser perfiden Werbeanzeige also direkt ins Gesicht!
Wenig überzeugend ist auch die Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), welches unter Leuten wie Klaus Zumwinkel und Hilmar Schneider ohnehin für die Abschaffung des Sozialstaates zugunsten des Workfare-Prinzips trommelt. Die Studie des IZA dürfte also genauso wertlos und verfälscht sein wie all der andere pseudo- wissenschaftliche Dreck, der von der INSM immer wieder veröffentlicht wird, erstellt u.a. auch vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, welches sich mit der INSM auch gleich die Räumlichkeiten im Gebäude von Gesamtmetall am Kölner Rheinufer teilt.
Wie die Realität auf dem Arbeitsmarkt aussieht, das ist eher anderen Medien zu entnehmen, z.B. der taz:
Doch dann beginnt sich das Bild schon ein wenig zu trüben: Von den fast 40 Millionen Erwerbstätigen waren im August nur 26,89 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Rest sind Beamte, Selbstständige – und geringfügig Beschäftigte. Fast 5 Millionen Menschen haben inzwischen nichts anderes als einen Minijob. Das sind 125.000 mehr als noch vor einem Jahr.
Unterm Strich sind im letzten Jahr 555.000 sozialversicherungspflichtige Stellen hinzugekommen – davon waren die Hälfte jedoch nur Teilzeitstellen. Zudem wächst eine Branche besonders stark: die “unternehmensnahen Dienstleistungen”. Dahinter verbirgt sich die Zeitarbeitsbranche, die im Vergleich zu 2006 240.000 Stellen geschaffen hat – also knapp die Hälfte aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze.
Zudem fällt trotz der vielen neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen auf, dass der Verlust der letzten Jahre nicht ausgeglichen werden konnte. 1995 gab es in Deutschland noch 28,118 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, heute sind es wie gesagt nur 26,89 Millionen. Doch obwohl die regulären Stellen schwinden, liegt die offizielle Arbeitslosenquote heute wie damals bei 8,4 Prozent.
Die offizielle Arbeitslosenzahl bildet nur ungenügend ab, was sich auf dem Arbeitsmarkt tut. Das zeigt sich auch an einem weiteren Phänomen: Nur 3,543 Millionen Menschen galten im September als arbeitslos – aber gleichzeitig erhielten 6,06 Millionen erwerbsfähige Personen entweder Arbeitslosengeld I oder II.
Ein Grund für diese Diskrepanz: 1,18 Millionen Hartz-IV-Empfänger sind erwerbstätig – aber sie verdienen so wenig, dass sie ergänzendes Arbeitslosengeld II beantragen müssen. Rund 513.000 von ihnen verdienen sogar über 400 Euro. Sie dürften mehr als 15 Stunden wöchentlich arbeiten – und gelten daher nicht als arbeitslos.
Zudem wird die Statistik bereinigt: Wer an einer Maßnahme teilnimmt, wird ebenfalls nicht als arbeitslos gezählt. Im September hatten 324.900 Hartz-IV-Empfänger einen 1-Euro-Job. Weitere 42.059 Erwerbslose verfügten über eine ABM-Stelle. Bei 231.723 wurde die Selbstständigkeit gefördert, und 220.539 nahmen an einer Qualifizierungsmaßnahme teil. Zudem wurden 284.000 Arbeitslosengeld-Empfänger ausgesteuert, weil sie über 58 Jahre alt sind. Nach Paragraf 428 SGB III müssen sie sich nicht mehr um eine Stelle bemühen.
Und schließlich wurde bei vielen Hartz-IV-Empfängern deren “Arbeitslosenstatus systematisch überprüft”. Vielleicht haben sie pflegebedürftige Angehörige oder Kinder, vielleicht sind sie krank – jedenfalls sind sie erwerbsfähig, tauchen aber trotzdem nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf.
Natürlich weiß die INSM das und natürlich weiß auch das IZA in Bonn das, dass die Zahl der 40 Millionen Beschäftigten vor allem mit statistischen Kniffen und Billiglöhnern erreicht wurde. Zwar stieg die Zahl der Erwerbstätigen, aber eben vorrangig in der Zeitarbeit, bei Teilzeit- und Minijobs. Als Folge müssen die kargen Löhne der betroffenen Arbeitnehmer oftmals mit Hartz IV, Wohngeld und anderen staatlichen Zuschüssen aufgestockt werden. Insofern besteht bereits jetzt ein inoffizieller Kombilohn, der nichts anderes darstellt als eine weitere Subventionierung der Wirtschaft, die mangels ausreichender Innovationskraft anscheinend nur noch Dank Lohndumping und staatlicher Unterstützung wettbewerbsfähig ist. Das ist eigentlich mit dem Trommeln der Neoliberalen gegen den Staat und Subventionen sowie für einen entzerrten Markt absolut unvereinbar. Auch hier merkt man wieder, dass die INSM sich vor allem dafür einsetzt, die staatliche Fürsorge für hilfsbedürftige Menschen über den Umweg des Lohndumpings in die Taschen der Wirtschaft umzuleiten. Wenn also jemand die Bezeichnung Sozialschmarotzer oder Parasit verdient hätte, dann sind das nicht die Erwerbslosen und Hilfsbedürftigen, sondern die deutschen Unternehmen und ihre Lobbys. Einmal ordentlich für so viel Gier, Maß- und Skrupellosigkeit schämen, meine Herren!
Ein Grund dafür, dass ein größerer Teil der Erwerbslosen selbst zu Mini- und Billigjobs flüchtet, liegt an den massiven Schikanen der ARGE mit willkürlich eingesetzten Sperrzeiten, bürokratischen Winkelzügen und dem Verschweigen hilfreicher Informationen gegenüber den Betroffenen:
Die Arbeitsagenturen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Arbeitslose mit Kürzungen ihrer Bezüge bestraft als im Jahr 2005. Insgesamt seien gegen mehr als eine halbe Million Arbeitslose so genannte Sperrzeiten verhängt worden, bestätigte eine Sprecherin der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit am Freitag.
Der Anstieg gehe allerdings nicht auf ein schärferes Vorgehen der Arbeitsagenturen zurück, sondern auf eine Gesetzesänderung im Zuge der Hartz-Reformen: In deren Folge wurde 2006 erstmals automatisch eine Sperrzeit von einer Woche verhängt, wenn sich ein Arbeitsloser verspätet arbeitssuchend meldete. Vorher musste die Strafe dafür individuell festgelegt werden. 150.000 Arbeitslose waren von dieser Änderung betroffen.
Wie die BA-Sprecherin weiter sagte, ist der Anstieg voll und ganz mit der Gesetzesänderung zu erklären. Demnach wurden von Mai bis Dezember 2005 – für 2005 liegt keine vollständige Statistik vor – gegen 261.000 Arbeitslose Sperrzeiten verhängt. Im selben Zeitraum 2006 seien es schon 378.000 Betroffene gewesen. Der Anstieg gebe genau die Zahl der Fälle in diesem Zeitraum wieder, die durch die Gesetzesänderung entstanden sei.
Ebenso wird auch bei Themen wie eheähnlichen Gemeinschaften, bei denen eine Beweisumkehr eingetreten war, dass Arbeitslose, die mit einem andersgeschlechtlichen Partner zusammenziehen, z.B. in Form einer Wohngemeinschaft, der ARGE nachweisen müssen, dass sie keine eheähnliche Lebensgemeinschaft führen, massiv schikaniert und mit Sperren gearbeitet. Würde man dieses Prinzip auf das Strafrecht übertragen, käme dies der Aufhebung der Unschuldsvermutung gleich. In der Folge solcher Schikanen steigt die Zahl der Verfahren bei den Sozialgerichten noch immer konstant an, obwohl das Bundesverfassungsgericht mittlerweile klar geurteilt hat, dass substanzlose Mutmaßungen nicht ausreichen, um existenzsichernde Leistungen zu verweigern. Nur in der Praxis interessiert dies die Sachbearbeiter offenbar wenig, die sich somit ganz klar verfassungsfeindlich verhalten. Deshalb besetzte die Initiative Agentur-Schluss am 01. Oktober 2007 die Kölner ARGE, um die Auszahlung verweigerter Leistungen zu erzwingen:
Das Motto lautete „Zahltag – Schluss mit den ARGE(n) Schikanen. Deshalb versammelten sich heute (01.Oktober) rund 160 Erwerbslose und Hartz IV-Gegner/Innen an der Kölner ARGE und besetzten das Foyer der Arbeitsagentur Köln trotz eines massiven Polizeiaufgebots. Dazu hatte das Bündnis „Agentur-Schluss“ aufgerufen, um die Auszahlung verweigerter Leistungen zu erzwingen. Trotz anfänglicher Übergriffe der Polizei mit anschließenden Festnahmen konnte der selbst organisierte Begleitschutz in allen Fällen die Auszahlung erzwingen. Zudem wurde der ARGE-Mitarbeiter, Dieter Berns für besonders schikanösen Eifer gegen Hartz IV-Empfänger mit dem goldenen „A“ des Erwerbslosen Forum Deutschland ausgezeichnet. Dazu hatte Anne Radstaakt von der Initiative „Kunststimmen gegen Armut“ während der Aktion ein entsprechendes Gemälde produziert.
Ob es ein Grund zum Feiern ist, wenn hilfsbedürftige Menschen in Deutschland inzwischen Behörden mit solchen Drohkulissen und potentiell gewaltträchtigen Aktionen dazu zwingen müssen, ihnen ihre existenzsichernden Leistungen auszuzahlen, darf bezweifelt werden. Für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist dieses ungeheuerliche Maß an Schikane gegen Arbeitslose aber sicher keine bekämpfenswerte Bürokratie, sondern wahrscheinlich eher wünschenswert, damit sich noch mehr Betroffene fürs Lohndumping finden. Gleichzeitig spiegeln die Schikanen der Arbeitsagenturen gegen Hilfsbedürftige wieder, was dieses “Neue Soziale” der INSM meint: bürokratische Schikanen, Ausgrenzung, soziale Kälte, Existenzgefährdung für Millionen von Menschen, Lohn- und Sozialdumping. Daran ist überhaupt gar nichts mehr sozial und die INSM daher zutreffenderweise als durch und durch asozial und menschenverachtend zu bezeichnen.
Denn es zählt eben nicht nur, ob jemand Arbeit hat, sondern umso mehr, ob jemand von dieser Arbeit auch selbstbestimmt und ohne die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung leben kann. Dies kann nur ein gesetzlicher Mindestlohn garantieren. Es wäre daher sinnig, wenn die Erwerbslosen und Hilfsbedürftigen zukünftig neben der jeweiligen Arbeitsagentur auch die Gebäude von Organisationen wie der INSM, der Bertelsmann-Stiftung oder des Konvents für Deutschland belagerten, um ein warnendes Zeichen zu setzen, dass wir uns die neoliberale Propaganda und den Sozialraub zugunsten fetter Bonzen, die den Hals eh nie voll kriegen, nicht mehr länger gefallen lassen.
PS: Ehrlicherweise müßte die INSM sich umbenennen in “Initiative für mörderischen Sozialdarwinismus” oder “Initiative Wirtschaftsbosse für Zwangsarbeit – es war doch nicht alles schlecht unter Hitler”. Als neue Sprecherin könnte man dann sogleich Eva Hermann verpflichten
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