Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen ihr ach so wissenschaftliches INSM-Regionalranking. Wie wissenschaftlich und aussagekräftig dieses Ranking ist, hat ECHO einmal unter kritisch hinterfragt:
Und was bringt dann das Ranking? „Wir wollen Transparenz schaffen. Und uns natürlich auch einen Namen machen“, räumt Carsten Seim von der INSM ein.
Die INSM und Transparenz schaffen? Das ist ungefähr so, als würde sich ein Pädophiler plötzlich für sexuell missbrauchte Kinder einsetzen. Einen Namen hat die INSM sich aber durchaus schon gemacht – als dreisteste Propagandakompanie des neoliberalen Kahlschlags.
Das ECHO bemühte sich ebenfalls um Transparenz und fragte den zuständigen wissenschaftlichen INSM-Mitarbeiter Christian Buchweitz nach den Wurzeln für diesen Wert: „Reine Mathematik“, sagt Buchweitz, „was genau drin ist, wissen wir auch nicht.“
Der Hammer, oder? Da haben wahrscheinlich ein paar wissenschaftliche Hilfskräfte oder studentische Aushilfen Zahlen zu verschiedenen willkürlich bewerteten Faktoren in Excel-Tabellen oder ein betriebswirtschaftliches Modell einer beliebigen Software getippt und das Ergebnis ist so brauchbar und aussagekräftig wie das Lesen in der Glaskugel.
Die Zahlen aus dem Jahr 2004 stammen demnach aus der Datenbank des Statistischen Bundesamtes – „und lassen keine näheren Aufschlüsse zu“, räumt Buchweitz ein.
Wahrscheinlich wäre eher der Effekt zu errechnen, wieviel Energie und Papier man gespart und damit das Klima geschont hätte, wenn man das INSM-Regionalranking nicht durchgeführt hätte, als dass dieses Ranking irgendeine Aussagekraft hat. Solche Experten und deren Expertisen sollte man sich am besten einfach sparen. Wer glaubt, er könne die komplexe Realität mit einem banalen Zahlenmodell aus der Betriebswirtschaft abbilden, kann nicht ernster genommen werden als ein beliebiger Scharlatan auf einem Jahrmarkt.
Die städtische Pressesprecherin Sigrid Dreiseitel ist über das Beschäftigten-Ranking insgesamt verärgert und zweifelt die Methodik an. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, nämlich Städte mit Kreisen.“
Dies ist noch harmlos ausgedrückt. Es wird mit untauglichen Mitteln versucht, ein Abbild der Realität alleine durch mathematische Berechnungen zu erhalten. Wer nur den Hammer der Betriebswirtschaft hat, haut damit auch auf Schrauben drauf, beispielsweise auf alle nicht auf betriebswirtschaftlichem Wege erfassbaren Faktoren wie Lebensqualität, Zuversicht, Ziele und außerbetrieblichen Fähigkeiten / Interessen der Bürger.
Selbst Blogger, die ich in eine Schublade irgendwo zwischen liberal und neoliberal stecken würde, kommen zu dem Schluss:
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass diese Studie weniger ein Instrument für die unternehmerische und kommunale Planung sein soll, als ein Instrument der Stimmungsmache. Zwischen den Zahlen steckt jede Menge Ideologie, die ich nicht “neoliberal” nenne, sondern “altkapitalistisch, nach Schlotbaron-Art”.
Nun, da die Ergebnisse des zwar wissenschaftlichen, aber unseriösen INSM- Regionalrankings keine Aussagekraft haben und eigentlich zu nichts ernsthaft zu gebrauchen sind, stellt sich die Frage, wozu es überhaupt dienen soll. Meines Erachtens wird das INSM-Regionalranking nur dazu benutzt, die Bundesländer, Kreise und Kommunen unter Druck zu setzen durch einen unsinnigen Wettbewerb, dessen Regeln die INSM vorgibt. Im nächsten Schritt will die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft durch Interesse und Anfragen aus der Verwaltung und Politik ihre neoliberalen / altkapitalistischen Konzepte auch in die Köpfe der Entscheider aus der Landes- und Kommunalpolitik als universelle Werkzeuge zum Aufstieg im Ranking einflüstern, da natürlich jeder Landesfürst und Kommunalpolitiker in solchen Rankings gerne weit oben stehen will.
Zusammgefasst läßt sich festhalten, dass die Verwaltung und die Politiker von Ländern und Kommunen sich nicht von den unseriösen Rankings der INSM beeinflussen lassen sollten. Sie selbst vor Ort sollten die Lage besser und realistischer einschätzen können als jedes mathematische Zahlenmodell, mit dem die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auf Landes- und Kommunalebene Stimmung für ihre neoliberalen Konzepte machen will. Es reicht eben nicht, einen Stapel Papier als wissenschaftlich zu präsentieren, nur weil auf dessen Deckblatt ein paar Leute mit Professoren- und Doktortiteln als Autoren angegeben sind, dessen Inhalt aber kompletter Unfug ist.
Wenn ich mir die Liste des bundesweiten Vergleichs ansehe, so erscheint mir diese lediglich als Auflistung von Regionen nach ihrem Wohlstand. München und bayrische Städte und Kreise sowie alles südlich von Frankfurt auf den vorderen Plätzen, dann der Westen in Richtung Norden bis zu Ostdeutschland als Schlusslicht. Dass da, wo die Arbeitnehmer gut verdienen, eine gute Kaufkraft existiert, ist trival. Ebenso, dass die Arbeitnehmer dort besonders gut qualifiziert sein dürften, damit sie hohe Einkommen erzielen und und und. Das INSM-Regionalranking ist somit lediglich ein trivales und überflüssiges Machwerk gekaufter Wissenschaft zur Stimmungsmache der INSM-Lobby.
Wie sollten aber die Landes- und Kommunalpolitiker auf das INSM-Regionalranking reagieren? Vielleicht genauso wie IT-Fachleute auf schlechte Software reagieren:
Gesehen, gelacht, gelöscht.
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