Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) möchte mal wieder einen auf intellektuell und glaubwürdig machen. Dumm nur, dass es erneut nicht klappt. Worum geht es?
Nun, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bewirbt in ihrem INSM-Tagebuch ein Buch mit dem Titel Deutschland zum Selbermachen. Leser dieses Blogs werden sofort wissen, dass Neoliberale Propaganda zum Selbermachen sicher ein treffenderer Titel für dieses Buch wäre. Darin singt die INSM in 22 Beispielen ein Loblied auf “bürgerschaftliches Engagement” / Ehrenamt und fordert auf Grund der darin enthaltenen Beispiele sicher einen weiteren Rückzug des Staates aus seinen öffentlichen Aufgaben, vor allem aus der Bildung und dem Sozialen. Angeblich könnten die Privaten ja alles besser und so weiter und so fort – das übliche neoliberale Palaver vom bösen Staat, dem ach so allmächtigen Markt und der Heiligkeit des Privaten bzw. Privatisierten. Da fallen mir doch glatt die Energiekonzerne als “leuchtendes Beispiel” ein, wie toll, allmächtig und heilig doch privatisierte Anbieter sind
Die gebundene Ausgabe dieser dumpfen INSM-Propaganda wird laut Information von Amazon bei dem Schweizer Pendo-Verlag erscheinen, der auch schon die gesammelten Peinlichkeiten der sehr blonden Eva Hermann veröffentlichte. Da ist die INSM mit ihrem Unsinn offenbar genau beim richtigen Verlag gelandet
Die INSM verschweigt aber geflissentlich, dass die Menschen auf jene Leistungen, die als bürgerschaftliches Engagement oder Ehrenamt ausgeführt werden, keinen Rechtsanspruch haben – im Gegensatz zu zahlreichen öffentlichen Leistungen, welche der Staat seinen Bürgern erbringt. Das angestrebte Prinzip ist bei Perspektive2010 in einem Artikel über McKinsey und die Tafeln sehr schön zusammengefasst:
Sozialleistungen als willkürliche Almosen statt als gesicherter Rechtsanspruch.
Darauf läuft es hinaus. Denn was machen zum Beispiel die Menschen in strukturschwachen Regionen, z.B. in Ostdeutschland, wo es mangels gönnerhafter Sponsoren und freiwilliger Helfer häufig kein bürgerschaftliches Engagement gibt? Und was machen diejenigen, die beispielsweise wegen Krankheit nicht mehr in der Lage sind, selbständig zu entsprechenden Hilfsangeboten zu gelangen? Und was machen die Bedürftigen, wenn das Engagement gekappt oder vollständig eingestellt wird? Beispielsweise sinkt schon heute die Zahl der Natural- und Sachspenden, welche die Tafeln erhalten, obwohl die Zahl der Bedürftigen gestiegen ist – eine Mogelpackung, welche von der INSM als vermeintliche Lösung für die soziale Schieflage hochgejubelt wird.
Selbstredend ist die Website Deutschland zum Selbermachen auf Ronald Voigt von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bei mellow message Medienproduktion GmbH als weiteren Provider der INSM registriert, was inzwischen auch hinter einem kleinen, grauen Link zum Impressum rechts oben der Site zum Buch abrufbar ist. Ansonsten findet man keinerlei Hinweis auf die Urheberschaft der INSM hinsichtlich des Buches und der zugehörigen Website. Auch eine Erklärung, wer die INSM ist und was sie tut, sucht man vergeblich. Das versteht man bei der INSM also unter Transparenz.
Das Vorwort der Propaganda-Schwarte wurde vom Handball-Trainer Heiner Brand verfasst, der sich auch schon einmal für ein Anzeigenmotiv der INSM hergegeben hatte. Wie jede bisherige Anzeige, Kampagne und PR-Aktion ist also auch dieses Buch wieder ein Ergebnis des üblichen Inzests bei der INSM, der im Regelfall dadurch in Erscheinung tritt, dass Pseudo-Interviews der INSM mit ihren Anführern und Mietmäulern als vermeintlich unvoreingenommen veröffentlicht werden und die Interviewten häufig als “neutrale Experten” präsentiert werden.
Als wissenschaftliches Mietmaul für das Buch fungiert Professor Sebastian Braun, Direktor des Forschungszentrums für Bürgerschaftliches Engagement an der Universität Paderborn – wahrscheinlich ein ebenso “seriöser” und “unabhängiger” Professor wie Bernd Raffelhüschen mit seinem Forschungszentrum Generationenverträge in Freiburg. Oder er ist zumindest mit diesem Buch auf dem besten Weg dorthin.
Fazit: Freiwillige Almosen und bürgerschaftliches Engagement / Ehrenamt können öffentliche Dienstleistungen des Staates nicht ersetzen. Gleiches gilt für den Rechtsanspruch, der auf staatliche Leistungen besteht, im Vergleich zur Willkür freiwillig engagierter Bürger und ehrenamtlicher Leistungen von Privaten. Die 12,90 Euro, welche die INSM-Propaganda Deutschland zum Selbermachen kosten soll, dürften jedenfalls in Christoph Butterwegges “Kritik des Neoliberalismus“ wesentlich besser angelegt sein. Der jubelt seinen Lesern weder wirtschaftsliberale Propaganda unter, noch präsentiert er ihnen dümmliche Lügenmärchen á la INSM.
Herrlich, dass der Schinken tatsächlich bei Pendo veröffentlicht wird
[...] irgendwem darum gebeten, ein wenig gegen das INSM-Watchblog zu trommeln, weil wir so ziemlich jede neue Propaganda-Aktion der INSM kritisch zerlegen. Denn wir gehen davon aus, dass selbst Hecht als neoliberaler FDP-Kasper [...]