Prof. Dr. Thomas Straubhaar, seines Zeichens Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und “Berater” der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) rührt in der FAZ die Werbetrommel für mehr Reformen. Denn nichts ist den neoliberalen Menschenverachtern und Kapitalfaschisten wichtiger, als auch im Aufschwung immer mehr Reformen durchzupeitschen, welche die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer machen sollen. Dabei wird einmal mehr wieder mit kaschierten Lügen, Verdrehungen und anderen subtilen Mitteln der Propaganda gearbeitet, natürlich auch mit dem wie üblich in die gewünschte Stoßrichtung manipulierten Manterial von der INSM und dem IW Köln, welches die NachDenkseiten als den “wissenschaftlichen Schreibtisch der INSM” bezeichnen:
Wer verhält sich eigentlich angesichts dieses Auseinanderklaffens von Theorie und Wirklichkeit „fragwürdig und irrational“? Diejenigen, die an die Versprechungen für eine bessere Zukunft vielleicht geglaubt haben und durch die Wirklichkeit eines Besseren belehrt wurden, oder solche Besserwisser wie Straubhaar, die entgegen aller Realität die Menschen weiter für dumm verkaufen und ihnen immer noch einreden wollen, dass „sich der Verzicht morgen lohnen würde“.
Das hat sich Thomas Straubhaar offenbar von den Kirchen abgeschaut. Die erzählen den Menschen ja auch immer wieder, dass dem König, Bonzen und Schlotbaron bleiben solle, was dem König, Bonzen und Schlotbaron ist, aber die Armen dafür ja angeblich nach dem Tod einen Logenplatz im stinklangweiligen Himmelreich bekämen und dort den ganzen Tag Harfe spielen könnten. Dumm nur, dass die Könige, Bonzen und Schlotbarone den Himmel auf Erden sicher haben, während die Armen mit einer leeren Versprechung ruhig gehalten werden. Im Übrigen haben die moderaten Tarifabschlüsse und der Verzicht der Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren zu Genüge gezeigt, für wen sich der Verzicht lohnte: Arbeitnehmer wurden zu Tausenden auf die Straße gesetzt, während Vorstände und Aktionäre ganz ungeniert kräftige Schlucke aus der Pulle nahmen. Da konnten problemlos goldene Wasserhähne verschrottet und gegen die Platin-Version ausgetauscht werden.
Für wie dumm Straubhaar und die FAZ die Menschen halten, zeigt eine in den Beitrag eingefügte Balkengrafik:
Danach haben bei „moderaten Reformen“ die Menschen im Jahre 2024(!) exakt 5.953 Euro im Geldbeutel, bei „konsequenten Reformen“ aber 9.114 Euro im Geldbeutel.
Wunderbar!
Nur, wer hat schon knapp 6.000 Euro im Monat? Und welche Einkommensgruppe darf also bei konsequenten Reformen die Hälfte mehr an Einkommen erwarten?
Glaubt Straubhaar wirklich, dass die Mehrheit der Durchschnittseinkommensbezieher nicht merkt, welche Einkommensgruppe auch „langfristig“ der Gewinner bei „konsequenten Reformen“ sein dürfte?
Wahrscheinlich glaubt Straubhaar als Anhänger der neoliberalen Ersatz-Religion das wirklich. Ganz zu schweigen davon, dass er wahrscheinlich selbst zu den Profiteuren jener Abzocke gehört, die den Massen als ach so positive und angeblich notwendige “Reform” verkauft werden soll. Das sind jene Leute, die “Haltet den Dieb!” rufen, wenn ein Armer in der Bäckerei ein Brot stiehlt, um sich sogleich mit den dicksten Sahnetorten aus dem Staub zu machen, während der Bäcker den Brotdieb verfolgt.
Die Balkengrafik stammt selbstredend von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und von deren „wissenschaftlichem“ Schreibtisch, dem arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft.
Es versteht sich auch von selbst, dass Straubhaar wiederum „Berater“ dieser PR-Agentur der Metall- und Elektroarbeitgeberverbände ist.
Und da schließt sich der Kreis – ekelhaft, diese ideologische Inzucht bei den Neoliberalen. Da treibt es jeder mit jedem, so lange es der eigenen Kasse und Klientel nützt. Vielleicht kommen sie einem deshalb immer wie Verrückte vor, die unter einer gestörten Realitätswahrnehmung leiden.
Aber Thomas Straubhaar ist ja für idiotische Ergüsse inzwischen hinlänglich bekannt. Wie die anderen neoliberalen Propagandisten wird auch er wohl frühestens an dem Tag begreifen, dass man die Menschen nicht ungestraft über Jahre hinweg belügen und ausplündern sollte, wenn das Volk sich dieses Land zurückholt und er neben Kollegen wie Michael Hüther (IW Köln), Wolfang Franz (ZEW) oder Prof. (Un-) Sinn (ifo) am Laternenmast baumelt. Besser spät als nie
[...] Ton wird schärfer Natürlich hat der INSM Watchblog recht, wenn er sich über Thomas Straubhaar aufregt, der als Schweizer Staatsbürger, die Menschen [...]
Ja, ja, der werte Herr Thomas Straubhaar. Er gehört zu den »kompetenten Ökonomen der Gegenwart« (Bundeszentrale für politische Bildung), die im Buch »Klassiker der INSM« äh, tschuldigung, wollte sagen, »Klassiker der Ökonomie«, herausgegeben von INSM-Kurator und IW-Chef Michael Hüther die Wirtschaftstheorien kommentieren durfte. Dabei fielen ihm gleich zwei prominente Theoretier zu: Adam Smith und Ludwig Erhardt. In seinem Kommentar zu Adam Smith offenbart Straubhaar in geradezu erfrischender Offenheit sein Verhältnis zum Sozialstaat:
»Die »unsichtbare Hand« des Marktes wird immer noch und immer wieder beschworen, auch wenn die sichtbare Hand der Politik oder die raffende Hand des Sozialstaats in Europa der Nachkriegszeit wesentlich stärkeren politischen Zulauf erfahren haben.« (Seite 46)
Versteht sich von selbst, daß in der bereits zitierten Ankündigung des Buches durch die Bundeszentrale für politische Bildung mal wieder der lobbyistische Hintergrund der Mehrzahl der Kommentatoren nicht erwähnt wurde, sondern statt dessen nur die Lobhudelei von den »kompetenten Ökonomen der Gegenwart«. Das Buch ist auch als INSM-Version direkt über die INSM zu beziehen, die Bundeszentrale für politische Bildung hat es inzwischen still und leise, fast möchte man sagen schamhaft, aus ihrem Programm genommen. Offensichtlich informierte sie ihre Freunde von der INSM darüber nicht, auf http://www.wirtschaftundschule.de verweist der Link noch immer auf die nicht mehr vorhandene Seite der Bundeszentrale.
Eine freundliche Anfrage bei der Bundeszentrale im März dieses Jahres, ob für das lobbyistische Werk der Arbeitgeber-Initiative im Rahmen der von Hüther im Vorwort gelobten »produktiven Zusammenarbeit« Steuergelder geflossen seien, blieb bis heute leider unbeantwortet…
Ludwig Erhardt wird überbewertet. Er hatte das Glück, zu der Zeit auf politischen Pöstchen zu sitzen, als in der Nachkriegszeit alles neu aufgebaut und angeschafft werden mußte. Der Motor dieses “Wirtschaftswunders” war die vorherige Zerstörung durch den Krieg. Da so Angebot und Nachfrage, auch auf dem Arbeitsmarkt, funktionierten, konnte Erhardt – wie es auch die INSM immer wieder dümmlich verbreitet – die “Kräfte des Marktes” walten lassen. Erhardt war zur rechten Zeit am rechten Ort, mehr nicht.
Die Situation in unserer heutigen Gesellschaft ist aber eine extrem andere, auch wenn Infrastruktur zahlreich verfällt und erneuert werden müßte. Aber das wären ja staatliche Investitionen, die Neoliberale ja verteufeln, weil sie lieber gleich alles privatisieren wollen. Ansonsten sind viele Märkte gesättigt und es wird versucht, Absatz mit Schein-Innovationen wie z.B. vibrierenden Nassrasierern und Handzahnbürsten oder mittels aggressivem Marketing zu generieren.
Der Zinsdruck im kapitalistischen Schulden-System schreit aber nach hohen Wachstumsraten, weil sonst das System kollabiert. Die Immobilienblase in den USA und die Aktion mit der IKB sind da nur ein Anfang. Ein chinesisches Sprichwort lautet: “Mögest du in interessanten Zeiten leben.” Es ist eigentlich mehr eine Verwünschung für ein anstrengendes und leidvolles Leben. Die anstrengung steht vor uns: Die Überwindung des Kapitalismus entgegen der Gegenwehr der Profiteure des Systems. Wir müssen eine neue Gesellschaft entwickeln, im Idealfall eine sozialistisch-humanistische, wo die Wirtschaft wieder dem Menschen dient, nicht umgekehrt.
In der Tat. Und selbst die historischen Tatsachen bezüglich Ludwig Erhardts, die Du angeführt hast, verdreht die INSM, übrigens wieder mal in Person von Thomas Straubhaar in dem Buch »Klassiker der Ökonomie« (kann man hier eigentlich auch kursiv schreiben?):
»Ludwig Erhardt hat vorgelebt, dass eine konsequente Wirtschaftspolitik letztlich auch dann mehrheitsfähig wird, wenn für weite Teile der Bevölkerung schmerzliche Einschnitte in Besitzstände und die Aufgabe kurzfristiger Eigeninteressen die Folge sind. Es entspricht nicht nur der Erfahrung Ludwig Erhard, sondern auch derjenigen führender Reformer wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder Roger Douglas, dass man mit einer nachhaltigen Modernisierung der Wirtschaftspolitik dem Druck der Interessengruppen und in einer Demokratie dem Druck der Mehrheit dann widerstehen kann, wenn man auf einem soliden ordnungspolitischen Fundament steht.« (Seite 224 f).
Gerade zu Zeiten Ludwig Erhardts hat der Sozialstaat expandiert. Es war eine Zeit des Ausbaus und des Aufschwungs aus den von Dir genannten Gründen: Es konnte eigentlich nur aufwärts gehen. Wer auf die Entscheidungen in der Erhardt-Ära schaut, der wird feststellen, daß sie mit der Beschreibung Straubhaars nicht übereinstimmt, das aber hinter diesem Absatz mal wieder die übliche Verzichts-Rhetorik unserer Tage lauert. Die INSM setzt offensichtlich neben der angestrebten Gehirnwäsche auch auf mangelnde Bildung, beziehungsweise darauf, die Geschichte in ihrem Interesse umzudeuten. Und dann empfiehlt sie dieses Werk auch noch den Lehrern zur Verwendung im Unterricht an!
Kursiv sollte mit dem Tag em gehen
Im Übrigen traue ich neben Lügen, Verdrehungen und manipulierten Umfragen der INSM auch Geschichtsklitterung zu. Im Mittelalter hätte man solchen notorischen Lügnern und Abzockern wohl den Mund zugenäht
Staubhaar mit den Worten von John Kenneth Galbraith:
The rich are not working hard enough because they are not paid enough, while the poor are not working hard enough because they are being paid too much
@ wolfh:
Solche Zitate sind typisch für Propaganda. Die Reichen werden nie arbeiten, weil sie einfach alleine durch den Besitz von Millionen und Milliarden ganz ohne Arbeit mehr bekommen als durch jeden Job. Ich rede von sinnvoller Arbeit, nicht von Hupfdohlen wie Paris Hilton, die lediglich als Medien- und Marketing-Prostituierte in die Kameras lächelt und mit dem Ärschlein wackelt.
Aber die Stoßrichtung ist klar: Wohlfahrt ist böse. Ziel der INSM und verwandter Lügen-Verbreiter wie dem IZA ist ja gerade die Einführung einer Arbeitspflicht (Workfare), die erst nur gemeinnützige Arbeiten umfassen soll, aber sicher schnell zu Gunsten der Wirtschaft aufgebohrt würde. Alternativ würden die Konzerne eben Vereine gründen, denen Gemeinnützigkeit anpappen lassen und die Arbeiter in die Fabriken schicken. Das hat Familie Mohn mit der Bertelsmann-Stiftung zum Sparen von Erbschaftssteuern auch schon hingekriegt.
Lass mich raten: Klassiker der INSM äh… Ökonomie?
ZEW Wahrsager und ihre Berg und Talbahn…
Wahrsagerei ist neben der Hurerei eines der ältesten Gewerbe der Menschheit. Beide genossen zu unterschiedlichen Zeiten auch unterschiedliches Ansehen. Während bei der Hurerei wenigstens ein Gegendienst geboten wird, gibt es b…
[...] nun wirklich nicht mehr aufhalten kann.Es bleibt nur zu hoffen, das die Prophezeihungen des INSM Watchblog sich als genauso falsch erweisen, wie die von Franz und seinem ZEW. Aber Thomas Straubhaar ist ja [...]