Kürzlich ist bei Perspektive2010 ein Artikel über eine angebliche Kirchenschändung veröffentlicht worden. Der Artikel brachte uns ins Grübeln und inzwischen ist uns der Grund dafür auch wieder eingefallen. Denn in der gleichen Stadt, Wesseling, gibt es ein Stadion, das am 23. Mai 2004 nach einem Kopf bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) benannt wurde: Ulrike Meyfarth, inzwischen wegen Ehe Ulrike Nasse-Meyfarth, eine ehemalige Hochspringerin und zweifache Olympiasiegerin. Die entsprechende Benennung des Stadions erfolgte wohl aus dem Grund, dass Ulrike Meyfarth in dieser häßlichen Industrie-Stadt aufgewachsen ist. Nicht umsonst lebt sie heute im Bergischen Land, oder?
Wir wollen die lange zurückliegenden sportlichen Leistungen von Ulrike Meyfarth einmal außer Acht lassen und uns damit beschäftigen, aus welchem Grund sie sich für die INSM bzw. den Förderverein der INSM engagiert. Auf ihrer Website sind nicht nur alle Auszeichnungen inklusive der Benennung des Stadions nach ihrem Namen verzeichnet, sondern auch ihre Engagements. Da finden wir unter der Überschrift Kultur und Soziales folgendes:
UNM ist Gründungsmitglied des Fördervereins Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft e.V. und engagiert sich seit 2005 für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die für die Erneuerung des Wirtschafts- und Sozialsystems in Deutschland eintritt.
Das steht da recht unverdächtig neben ethisch unbedenklichen Engagements für Krebskranke, Jugend, Sport und tatsächlich Soziales. Vielleicht hält Ulrike Meyfarth die verharmlosende Selbstbeschreibung der INSM tatsächlich für wahr, denn anders können wir uns das Engagement für diese perfide Arbeitgeber-Lobby nicht erklären.
Werfen wir zum Abschluß noch einen Blick in die News auf Ulrike Meyfarths Website. Dort erfahren wir nicht nur, dass sie inzwischen über 50 Jahre alt ist und sich offenbar für rollende Klimakiller aus dem Hause Porsche interessiert, sondern auch Werbepartnerin für einen Cateringservice ist und sich in einem Interview für die Publikation Kultur des Eigentums der Schwäbisch Hall Stiftung, welche ausgerechnet der Springer Verlag im Jahre 2006 veröffentlichte, ungeniert als Sprachrohr der INSM präsentieren ließ:
Dieses Auf und Ab hat jüngst die Intiative Neue Soziale Marktwirtschaft angeregt, den immer noch klangvollen Namen Ulrike Meyfarth in eine Anzeigenkampagne einzubinden. Unter dem Motto “Reformen lohnen sich” macht sie den Deutschen angesichts der derzeitigen Konjunkturschwäche aus eigenem Erleben Mut: “Ich weiß, dass man längere Durststrecken nur durch viel Einsatz überwindet. Das waren zwölf harte Jahre zwischen München und Los Angeles, in denen ich mich wieder nach vorn arbeiten musste. Ich sehe da durchaus eine Parallele zur aktuellen Lage in der Bundesrepublik…” steht da schwarz auf weiss gedruckt. …
Wir wissen noch nicht, wie wir dieses Engagement von Ulrike Nasse-Meyfarth, bei dem offenbar vor allem die INSM einen klangvollen Namen verwertet, abschließend bewerten sollen. Ist es Naivität von UNM? Glaubt sie die doppelzüngigen Lügen der INSM? Oder ist sie vielleicht mit vollem Einsatz dabei und Teil des neoliberalen Netzwerks in Deutschland? Es wäre Frau Meyfarth jedenfalls zu empfehlen, ihr Engagement für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu überdenken, z.B. nach der Lektüre unseres Blogs. Wir würden es sehr begrüssen, wenn sie sich lieber weiter tatsächlich sozialen Engagements widmete als ihren Kopf und Namen für eine dubiose Arbeitgeber-Lobby hinzuhalten.
Übrigens, die Wege im neoliberalen Netzwerk sind verdammt kurz geworden. Kaum recherchiert man ein wenig zu einem Kopf der INSM, stößt man auf andere altbekannte Organisationen und Verflechtungen. So ist beispielsweise Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, wissenschaftliches Mietmaul der INSM und der Versicherungswirtschaft, auch bei der Schwäbisch Hall Stiftung zu finden. Dort sitzt dieser beispielsweise mit Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, in einem Boot. Dieser wiederum ist nicht nur der Sohn des von der RAF ermordeten SS-Offiziers und Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, sondern auch Policy Fellow des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), welches vorrangig für die Einführung des Workfare-Konzepts und Zwangsarbeit in Deutschland eintritt. Dort trifft Schleyer auf die üblichen Verdächtigen aus der INSM wie Florian Gerster, Friedrich Merz, Thomas Straubhaar oder auf Leute wie Klaus Zumwinkel von der Deutschen Post und Prof. Dr. Klaus F. Zimmermann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.
Es ist alles die immer gleiche braune Suppe des Neoliberalismus und Wirtschaftsfaschismus, die von den immer gleichen Leuten verbreitet wird – über viele verschiedene Kanäle von Think Tanks, Lobbys und so genannten Wirtschaftsforschungsinstituten.